Forum Deutsche Bahn
Bildung schafft Zukunft – Nachwuchssicherung in Zeiten der Krise
Die Kompetenzen und Qualifikationen der Menschen sind in unserem rohstoffarmen Land die zentrale Ressource, von der Wettbewerbsfähigkeit, Fortschritt, Wohlstand und soziale Sicherheit abhängen. Zukunftssicherung bedeutet daher vor allem Fachkräftesicherung. Wie dies gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelingt, mit welchen Strategien Unternehmen ihren Fachkräftebedarf sichern und wie das Bildungssystem aufgestellt sein muss, wurde im Forum „Bildung schafft Zukunft – Fachkräftesicherung in Zeiten der Krise“ aus Sicht von Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert.
Mit:
- Prof. Dr. Jutta Allmendinger
Präsidentin Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
Dr. Gerhard F. Braun
Vizepräsident der BDA,Präsident Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz
Katharina Heuer
Leiterin Management- und Mitarbeiterqualifizierung DB Mobility Logistics AG
Moderation: Barbara Gillmann
Handelsblatt
Katharina Heuer betonte, dass sich die Deutsche Bahn ausdrücklich zur Nachwuchssicherung bekennt und daher die Ausbildung auch in den aktuell schwierigen Zeiten nicht zurückgefahren werde. Wichtig sei eine strategische Personalplanung mit einer mittel- und langfristigen Ermittlung des Fachkräftebedarfs.
Schwierigkeiten bestünden aktuell vor allem darin, für gewerblich-technische Berufe Nachwuchs zu finden. Schon heute gebe es daher vielfältige Aktivitäten zur Werbung junger Menschen, die künftig sicherlich noch intensiviert würden. Dabei richte die Deutsche Bahn ein spezielles Augenmerk darauf, mehr junge Frauen vor allem auch durch weibliche Vorbilder und Aktionen wie den Girls’ Day für naturwissenschaftlich- technische Berufe zu gewinnen.
Auch gehe die Deutsche Bahn gezielt auf noch nicht ausbildungsreife Jugendliche zu: Im Rahmen des Programms „Chance Plus“ würden Jugendliche mit schlechten Schulnoten oder mangelnder Disziplin an eine Ausbildung herangeführt. Durch intensive Förderung und eine sozialpädagogische Begleitung gelinge es, rd. 80 % der Teilnehmer in eine Ausbildung zu übernehmen.
Prof. Dr. Jutta Allmendinger sah als dringlichstes Problem im Bildungssystem die zu hohe Zahl der Risikoschüler und die enge Verknüpfung von Bildungserfolg und sozialem Hintergrund. Erforderlich sei ein Schulterschluss der Länder, da es im föderalen System mit Kooperationsverbot ansonsten besonders schwierig sei, die Bildungsrepublik zu realisieren. Besorgniserregend seien heute insbesondere die unterschiedlichen Bildungsergebnisse in den Bundesländern, die die Mobilität von Eltern erheblich erschwerten. Erforderlich sei darüber hinaus, dass bessere Anrechnungsmöglichkeiten zwischen Übergangssystem und eigentlicher Ausbildung geschaffen werden.
Auch zwischen beruflicher und hochschulischer Ausbildung müssten die Verknüpfungen und Anrechnungsmöglichkeiten besser werden. An der Bologna-Reform kritisierte Prof. Allmendinger die schlechte Umsetzung – etwa die häufige Festlegung der Bachelor-Studienzeit auf drei Jahre und den zu engen Zuschnitt vieler Studiengänge. Erstaunlich sei, dass dennoch der Übergang in den Arbeitsmarkt gut gelinge. Auch mündeten erfreulich viele Absolventen in einen Master- Studiengang. Erforderlich sei dennoch ein Nachjustieren, insbesondere ein „Auskämmen“ überfrachteter Studieninhalte.
Dr. Gerhard F. Braun unterstrich, dass die Nachwuchsgewinnung gerade für kleine und mittlere Unternehmen immer schwieriger werde. Aus diesem, aber auch aus sozialen Gründen müsse man die Potenziale aller Kinder besser entfalten.
Wichtig sei, früh anzusetzen und in der frühkindlichen Bildung eine gezielte Sprachförderung auf Basis von Sprachstandserhebungen durchzuführen. In der Schule müsste im Rahmen kleinerer Klassen eine bessere individuelle Förderung der Kinder erfolgen. Hierfür müsse die Lehrerausbildung reformiert und ggf. mehr Geld investiert bzw. die demografische Rendite, die sich aus den sinkenden Schülerzahlen ergibt, im Bildungssystem reinvestiert werden.
Herr Dr. Braun verwies darüber hinaus auf die Forderung der Arbeitgeber, den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte ohne Abitur zu öffnen. Aus dieser Zielgruppe könnten Studierende gewonnen werden, die aufgrund ihrer Praxiserfahrung besonders motiviert sind. Auch gewinne das duale System so an Attraktivität.
Um das wieder stärker werdende Interesse junger Menschen an MINTStudiengängen nicht zu gefährden, müsse, so Dr. Braun, in der Krise alles dafür getan werden, dass bei diesen jungen Menschen nicht der Eindruck entsteht, dass sie nun doch nicht gebraucht würden. Denn tatsächlich gibt es weiterhin eine MINTFachkräftelücke, und die beruflichen Chancen seien hier immer noch gut.
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