Demografischer Wandel

Herausforderungen für Soziale Sicherung und Arbeitsmarkt

Der demografische Wandel stellt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor neue Herausforderungen, die in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen werden. Sinkende Geburtenraten und eine spürbar gestiegene Lebenserwartung sind die treibenden Faktoren des demografischen Wandels.

Mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,36 pro Frau im Jahr 2009 (Quelle: Eurostat) belegt Deutschland im EU-Vergleich weiterhin einen der hintersten Plätze. Lediglich in Portugal, Ungarn und Lettland werden noch weniger Kinder geboren. Notwendig, um die Bevölkerung in Deutschland annähernd stabil zu halten, wäre ein Wert von 2,1 Kindern je Frau. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung in den letzten Jahren immer weiter gestiegen. Sie lag 2009 bei 82,8 Jahren (Frauen) bzw. 77,8 Jahren (Männer) und damit jeweils rund zehn Jahre über der Lebenserwartung Anfang der 1960er Jahre (Quelle: Eurostat).

In Folge dieser Entwicklung schrumpft und altert die Bevölkerung in Deutschland und damit vor allem auch die Zahl der potenziellen Fachkräfte in den nächsten Jahren zunehmend. Bis 2030 wird die Zahl der Menschen im Alter von 20 bis 65 Jahre gegenüber heute dramatisch um etwa 8 Mio. bzw. fast ein Fünftel auf nur noch 42 Mio. abnehmen. Der Altenquotient, also das Verhältnis der Zahl 65 jähriger Menschen und älter zur Zahl der 20- bis 65-Jährigen wird sich deutlich verschieben – von heute noch weniger als 1:3 auf fast 1:2 im Jahr 2030. Dabei verschieben sich auch innerhalb des Erwerbspersonenpotenzials die Relationen weiter zu den Älteren: Bereits 2020 wird jede dritte Erwerbsperson älter als 50 Jahre sein.

Fachkräfteengpass verschärft sich

Mit einem insgesamt sinkenden und alternden Arbeitskräftepotenzial werden sich die bereits heute erkennbaren strukturellen Fachkräfteengpässe weiter verschärfen. Bis 2030 könnten über fünf Millionen Arbeitskräfte fehlen, wenn nicht zügig gegengesteuert wird (Quelle: Prognos AG). Das Thema „Fachkräftesicherung“ rückt damit zunehmend stärker in den Fokus. Die demografische Entwicklung hat zudem auch für die sozialen Sicherungssysteme gravierende Folgen. Dies gilt insbesondere für die gesetzliche Rentenversicherung und die Pflegeversicherung: Mit einem alternden und insgesamt sinkenden Erwerbspersonenpotenzial sinkt die Zahl der Beitragszahler und gleichzeitig nimmt die Zahl der Leistungsempfänger zu. Damit wird der Druck steigen, Strukturreformen in den Sozialversicherungszweigen auf den Weg zu bringen. Diese sind unabdingbar, auch um einen kräftigen Anstieg der beschäftigungsfeindlichen Lohnzusatzkosten zu vermeiden.

Chancen erkennen, Herausforderungen annehmen

Mit dem voranschreitenden demografischen Wandel wird es immer wichtiger alle inländischen Arbeitsmarktreserven zu erschließen. Die deutsche Wirtschaft hat vielfältige Ansätze auf den Weg gebracht, um ältere Mitarbeiter länger im Betrieb zu halten und die Potenziale von Frauen, Migranten und Menschen mit Behinderungen besser zu erschließen. Zudem investieren die Arbeitgeber über 50 Mrd. € jährlich in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und setzen sich mit verschiedensten Initiativen über das gesamte Bildungsspektrum hinweg für Qualitätsverbesserungen in der Bildung ein. Die Unternehmen allein können aber die große Herausforderung der Fachkräftesicherung nicht stemmen, die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen. So müssen, um mehr Frauen in eine möglichst vollzeitnahe Arbeit zu bringen, insbesondere die Voraussetzungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie spürbar verbessert werden. Dazu gehört vor allem ein qualitativer und quantitativer Ausbau des Angebotes an Kinderbetreuungsplätzen. Damit mehr ältere Arbeitnehmer in Beschäftigung kommen und auch länger am Erwerbsleben teilhaben können, müssen die „Rente mit 67“ konsequent umgesetzt, weitere Frühverrentungsanreize abgebaut und lebenslanges Lernen weiter voran gebracht werden.

Nur allein mit einer Ausschöpfung aller inländischen Arbeitsmarktreserven wird es aber nicht gelingen, den demografisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials auszugleichen. Deutschland ist zunehmend auch auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen. Um Deutschlands Chancen im weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe nachhaltig zu verbessern, ist eine noch stärker arbeitsmarktorientierte Zuwanderung ohne Alternative.
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