Familienfreundliche Personalpolitik

Win-Win-Situation für Beschäftigte und Betriebe

Unternehmen werben zunehmend um qualifizierte und motivierte Frauen. Eine familienfreundliche Personalpolitik wird dabei immer wichtiger. Da sie zugleich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt, besteht hier eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einerseits und Unternehmen andererseits.

Unternehmen müssen heute die Herausforderungen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels bestehen. Sie halten deshalb verstärkt Ausschau nach qualifizierten Mitarbeitern. Dabei weisen insbesondere Frauen heute einen steigenden Bildungsgrad und eine vielfach bessere Qualifikation auf. Mittlerweile sind 56 Prozent der Abiturienten in Deutschland Frauen. 1970 waren es noch unter 40 Prozent. Bei den Universitätsabsolventen liegen die Frauen mit den Männern inzwischen gleichauf. Nicht zuletzt deshalb ist die Wirtschaft auch auf das Potential von Frauen angewiesen.

Familienfreundlichkeit bereits ein Wettbewerbsvorteil

Mit der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen tritt zugleich die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Vordergrund. Die Unternehmen haben längst die Vorteile einer auf Familienfreundlichkeit und Chancengleichheit ausgerichteten betrieblichen Personalpolitik erkannt. Fast 80 Prozent der Unternehmen halten Familienfreundlichkeit heute für „sehr wichtig“. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) würden 78 Prozent der Eltern für bessere Rahmenbedingungen den Job wechseln. Familienfreundlichkeit ist heute deshalb ein wichtiges Instrument der betrieblichen Personalpolitik.

Fast 100 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Die Anzahl der Angebote in den Unternehmen hat dabei in den letzten Jahren stark zugenommen. Während 2003 nur 9 Prozent der Unternehmen sieben bis neun Maßnahmen anboten, waren es 2006 schon fast ein Viertel. Heute ist dieser Anteil auf fast 30 Prozent angestiegen. Zu den beliebtesten und meistgenutzten Angeboten zählen flexible Arbeitszeiten und Maßnahmen zur Unterstützung des beruflichen Wiedereinstiegs nach der Elternzeit. Auch Mitarbeiternetzwerke leisten vielerorts Unterstützung vor, während und nach Elternzeit.

Breites Engagement erforderlich

Das breite Engagement haben auch die Preisverleihungen der Initiativen „Erfolgsfaktor Familie“ in 2008 mit mehr als 500 beteiligten Unternehmen sowie „audit berufundfamilie®“ zuletzt 2011 gezeigt, welche auch von der BDA unterstützt werden. Erneut wurden darin Unternehmen für familienfreundliche Maßnahmen ausgezeichnet und über 260 Zertifikate an Unternehmen, Institutionen und Hochschulen für eine familienbewusste Personalpolitik verliehen.

Die Kinderbetreuung nimmt beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine zentrale Rolle ein. Der Erwerb von Belegplätzen, die Unterstützung von Elterninitiativen oder die Beauftragung von Familiendienstleistern sind neben der klassischen Betriebskindertagesstätte Beispiele für verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten seitens der Betriebe. Die Unternehmen sind hier sehr aktiv, obwohl Kinderbetreuung vorrangig staatliche Aufgabe ist. Mit dem Beschluss zum Ausbau von mehr Kinderbetreuungsplätzen im Rahmen des Kinderförderungsgesetzes (KiföG) reagierte auch die Politik. Bis 2013 soll in den Kommunen ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren geschaffen sein. Doch bis zu einem flächendeckenden Angebot an Kinderbetreuungsplätzen ist es noch ein weiter Weg. So mahnte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erst kürzlich an, das Ausbauziel für 2013 werde in Frage gestellt, würden die Länder nicht schnell die dafür notwendigen Gelder zur Verfügung stellen. Dabei profitieren von einer guten Betreuungsinfrastruktur nicht nur berufstätige Eltern, sondern die Städte und Gemeinden selbst. Für sie gilt jetzt das, was für Unternehmen schon seit längerem von Bedeutung ist: Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind mittlerweile auch für sie zum Standortvorteil beim Werben um neue Einwohner geworden.
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