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Gesellschaftspolitik

Als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung galt die Soziale Marktwirtschaft jahrzehntelang als Garant für Wohlstand, Fortschritt und sozialen Ausgleich. Trotz zahlreicher Errungenschaften – u. a. bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, Wirtschaftswachstum und Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten – hat sie in jüngster Zeit an Akzeptanz verloren. Obwohl Deutschland mit ihr als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zweifellos gut gefahren ist, ist sie eine Glaubwürdigkeitskrise geraten – und mit ihr Unternehmen, Manager und Unternehmer.

Viele Menschen in Deutschland trauen der Sozialen Marktwirtschaft nicht mehr zu, die Herausforderungen einer globalisierten Welt und des demografischen Wandels meistern zu können. Diskussionen über Managergehälter und Abfindungen, Standortverlagerungen und Werkschließungen vertiefen das Misstrauen weiter. Auch hat es in der jüngsten Vergangenheit einige Beispiele gegeben, die dazu beigetragen haben, das Bild der Führungseliten zu erschüttern. So stellt sich die Frage, was die Wirtschaft selbst dazu beitragen kann, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

Wertevermittlung im Fokus

Jede funktionierende Gesellschaft braucht ein starkes Wertefundament. Um die Diskussion über die Grundwerte unserer Gesellschaftsordnung zu intensivieren und ihr mehr Öffentlichkeit zu verleihen, steht die BDA in regelmäßigem Dialog und offenem Austausch mit allen gesellschaftspolitisch relevanten Meinungsträgern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Parteien, Kirchen und Gewerkschaften. Die BDA wirbt für die Vermittlung gemeinsamer Werte, die unserem ordnungspolitischen Leitbild, der Sozialen Marktwirtschaft, zugrunde liegen: Freiheit und Verantwortung, Subsidiarität und Solidarität. Werteerziehung und Wertevermittlung ist vor allem Aufgabe von Familie und Schule.

Die Bedeutung der Familie als soziale Mitte unserer Gesellschaft muss mehr gewürdigt werden. Die Wirtschaft trägt mit einer familienfreundlichen Personalpolitik und durch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf dazu bei. Werte spielen auch innerhalb der einzelnen Unternehmen eine wichtige Rolle. Einige – insbesondere große – Unternehmen haben die positiven Wirkungen von Diversity Management erkannt. Die BDA greift die Wertschätzung von Vielfalt insbesondere unter den Themen Chancengleichheit und demografiesensible Personalentwicklung auf. Zahlreiche Unternehmen haben sich Leitlinien gegeben, die eine ethische Unternehmenskultur fördern. Eine überwältigende Mehrheit der Unternehmen in Deutschland engagiert sich in vielfältiger Weise gesellschaftlich. Gleichzeitig müssen die Führungseliten diese Werte vorleben und im Sinne einer Ethik der Verantwortung als glaubwürdige Vorbilder handeln. Die strukturelle Verankerung von ethischen Leitbildern in den Unternehmen selbst kann darüber hinaus zu verantwortlichem und nachhaltigem Handeln ermutigen.

Entlastung für die Mittelschicht

Eine wachsende Mehrheit der Bevölkerung empfindet die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland als ungerecht. Hinzu kommt, dass die die Gesellschaft tragende Mittelschicht immer kleiner wird. Dabei trägt gerade sie entscheidend zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei und muss deutlicher entlastet werden. Dies gilt auch für den Mittelstand, der als Rückgrat der deutschen Wirtschaft entscheidend zu Wohlstand und Beschäftigung beiträgt. Jeder einzelne muss zur Teilhabe ermutigt und befähigt werden, seine Gaben und Talente einzubringen. Wir brauchen ein Gemeinwesen, das den Einzelnen unterstützt und es ihm ermöglicht, für sein Wohl selbst tätig zu werden. Bildung und Qualifizierung sind der Schlüssel zu besseren Aufstiegschancen und damit auch zur Stärkung der gesellschaftlichen Mitte. Leistungsträger müssen gefördert und zu Verantwortungsbewusstsein und vorausschauendem Handeln ermutigt werden.
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